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Gestaltung der Selbstverwaltung

So, wie der menschliche Organismus – betrachtet man ihn umfassend – geistige, seelische und leibliche Dimensionen hat, so leben diese auch in einem sozialen Organismus. Betrachten wir den Organismus der Kollektiven Selbstverwaltung (KSV) an Waldorfschulen vor diesem Hintergrund, gelangen wir zu folgenden Bezügen, die ich der Übersicht halber hier tabellarisch darstellen möchte.

Gliederung Schulgestalt   (bitte anklicken)

Der Geist wirkt im Geistesleben des sozialen Organismus. Hier braucht der Organismus Freiheit, damit sich dieses entwickeln kann. In der KSV pflegen wir das Geistesleben vor allem in den Pädagogischen Konferenzen. Da wir in aller Regel die geistigen Wesensglieder erst sehr zart ausgebildet haben, ist es hilfreich, sich in den Pädagogischen Konferenzen auf Menschen zu stützen, die hier bereits weiter sind. Das können Kollegen sein, aber auch Schriften Steiners und anderer. Wie können wir nun frei mit deren Aussagen umgehen, wenn wir doch noch gar nicht so weit entwickelt sind, dass wir etwas entgegensetzen könnten? – Wir können! Hier wie sonst auch gilt: Die eigene Freiheit ist nichts wert ohne die Freiheit des anderen. Eine Atmosphäre zu schaffen, in der alle, selbst die kritischsten, Fragen zugelassen sind und als ein wichtiges Element auf der gemeinsamen wie der individuellen Suche verstanden werden, das wäre ein erster Schritt. Wir könnten uns auch methodisch von der bisherigen Art der Textarbeit befreien: Wie wäre es, einen Aspekt der Menschenkunde zu malen, zu plastizieren, zu singen, pantomimisch oder schauspielerisch darzustellen? Welche Geste hat z. B. das Denken, das Fühlen, das Wollen? … – Ist es auch vorstellbar, dass nicht das gesamte Kollegium an einer Frage arbeitet, sondern sich Gruppen finden nach Interesse?

Und welche Möglichkeiten gibt es noch die Freiheit weiter leben?

So wird mehr Leichtigkeit in die Pädagogischen Konferenzen Einzug halten, sie werden zu einem – im tiefsten Sinne – Spiel.

In die Kinderbesprechungen wird dann einfließen, was man sich in solchen frei gestalteten Konferenzen an Erkenntnissen, an Haltung und Wahrnehmungsmöglichkeiten erworben hat. Da verankert sich die pädagogische Arbeit im Geistigen.

 

Die Seelenkräfte wirken im Rechtsleben. Rechtsleben heißt: hier werden Vereinbarungen getroffen. Dafür verlangen die Menschen des Bewusstseinsseelenzeitalters immer mehr die Begegnung auf Augenhöhe. Die Akteure in der KSV brauchen also die gleichen Einfluss-, Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten; in diesem Bezug stehen sie auf einer Ebene, unabhängig von ihren geistigen, intellektuellen, emotionalen oder körperlichen Möglichkeiten. Dies zu akzeptieren fällt nicht leicht, es bietet sich jedoch an gerade in der Waldorfschule, die ja ein Ort der Pflege der sozialen Kunst sein kann wie kaum ein anderer Organismus. Das Rechtsleben begegnet uns in der KSV am stärksten in der Leitungskonferenz. Um hier tätig zu werden, stehen uns vor allem die Empfindungs-, die Verstandes- und die Bewusstseinsseele zur Verfügung. Gleichzeitig wollen sie hier Beachtung finden. Wenn sie diese nicht bekommen, ist das freitagvormittags, am Tag nach der Konferenz, in manchem Gesicht lesbar. Die Verstandesseele hat dieses Problem am wenigsten. Dass mehr Bewusstseinsseelenqualität den Konferenzen gut tun würde, leuchtet jedermann ein. Aber die Empfindungsseele? Ja, auch sie! Wenn sie nicht ihren Raum bekommt, dann bricht sie sich ihn auf oft unangenehme Weise. Dabei ist sie ein enorm wichtiges Element in jedem Prozess, der zu einer Bewusstseinsentscheidung führen soll.

In der KSV ist ein zentrales Thema die Verantwortung. Die Tatsache, dass vieles gemeinsam entschieden wird, führt zu der Gefahr, dass sich schließlich niemand verantwortlich fühlt. Dies ist jedoch keine logische Folge, sondern lediglich eine Gefahr, der mit verschiedenen Methoden und einem bestimmten Vorgehen begegnet werden kann. (siehe unter Moderation)

Die gesundende Einbindung von Empfindungs-, Verstandes-und Bewusstseinsseele in die Entscheidungsprozesse ermöglicht Lösungen, die im Konsens gefunden werden (siehe ebenfalls unter Moderation).

Gelingt es, Vereinbarungen im Bewusstsein für deren Folgen für die Mitmenschen zu treffen, stellt sich Liebe ein.

 

Im Wirtschaftsleben der Schule lebt das Leibliche. Bezogen auf die KSV gehören dazu Fragen wie die Arbeitsverteilung, das Organisieren und Durchführen von Beschlüssen, deren Evaluation usw. Dafür trifft man sich zumeist in der Organisationskonferenz. Hier hilft das Prinzip der Geschwisterlichkeit. Die Herausforderung besteht darin, die Aufgaben, welche die Schule am Leben halten, so zu verteilen, dass sie von den entsprechend kompetenten Menschen übernommen werden und dass die Belastungen so ausgeglichen werden, dass keiner dauerhaft an seinem Limit arbeitet (unter Einbezug seiner pädagogischen Aufgaben, familiären Voraussetzungen usw.) – geschwisterlich eben! Hierher gehören auch die Berichte, Organisation von Abläufen und Informationen. Hier sind unsere leiblichen Wesensglieder gefragt: der Ätherleib, welcher nicht nur Gewohnheiten bildet und pflegt, sondern auch leben gestaltet. Für das Organisieren kann das Denken in Bildern hilfreich sein. Der Astralleib unterstützt bei der allgemeinen Aufmerksamkeit für alles Diesseitige.

 

Wie beim Menschen auch, so durchziehen die Qualitäten des einen Bereiches die anderen und befruchten sie. Selbstverständlich sind in allen Konferenzen alle Wesensglieder gefragt, nur gibt es meines Erachtens Schwerpunkte. Da die Schule eine Institution des Geisteslebens ist, wird es enorme Wirkung haben, wenn das Freiheitsprinzip in allem wirkt.

 

Oft beginnt man, wenn man unzufrieden oder gar unglücklich mit der Arbeit in der KSV ist, den Organismus in seinen leiblichen Dimensionen zu überarbeiten: Abläufe werden gegliedert und Strukturen neu geschaffen, die oft die Verantwortungsverteilung regeln. Immer wieder zeigt sich dann, dass man sich dann nicht an die Absprachen hält und Prozesse anders laufen, als ursprünglich gedacht. Die Ursache hierfür könnte darin liegen, dass das Pferd von hinten aufgezäumt wurde. Die Probleme, die auftreten, sind zumeist seelischer Natur. Also wird es am wirksamsten sein ihnen auf seelischer Ebene zu begegnen und aus den hier gewonnenen Erkenntnissen zu strukturieren bzw. zu gestalten. Bei solchen Prozessen würde ich Kollegien gerne unterstützen.

Die Folgen können sein:

  • Freude an Selbstverwaltung
  • Gemeinsames Verantworten als Chance begreifen, als befeuernd erleben
  • Werkzeuge zur Konsensfindung zur Verfügung stellen
  • Bewusstseinsbildung in KSV zur Qualitätssicherung in Unterricht und Elternarbeit